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Übersicht: Buch/Empfehlung des Monats
Januar 2007 bis März 2009

(Die Titel-Links führen zu Amazon.de)

Dezember 2008: Brian Wilson: That Lucky Old Sun.

Aus der Amazon.de-Redaktion
That Lucky Old Sun, das neue Studioalbum von Brian Wilson ist musikalisch wohl das schönste Happy End einer Künstertragödie. Dass der ehemalige Beach-Boys-Mastermind nach jahrelanger Selbstzerstörung und ewig langer Therapie wie ein Phönix aus der Asche stieg, war schon ein Wunder für sich. Doch nun legt er mit 66 Jahren jenes Album vor, von dem er lange redete und nun das realisierte, was sich jahrzehntelang nur in seinem Kopf abspielte - die perfekte, zeitlose Pop-Suite, das heitere Manifest eines musikalischen Genies. Allein der Ausgangspunkt des dichtgewebten Konzeptalbums ist genial - „That Lucky Old Sun“, ein Louis-Armstrong-Klassiker aus dem Jahr 1949, um den sich alle Songs über „den perfekten Tag in Los Angeles“, die narrativen Zwischenteile und Arrangements weben.

Seit Pet Sounds, dem Beach-Boys-Pendant zu Sgt. Pepper gab es kein so geschlossenes und in sich schlüssiges Pop-Werk, aus dem man einzelne Songs kaum herauslösen und loben kann. Sie sind allesamt Höhepunkte an Kompositions- und Arrangementkunst, an instrumentaler Umsetzung zu subtilen, durchaus humorvollen und ironischen Texten. Die meisten stammen von Gitarrist Scott Bennett, die Sprechpassagen über Los Angeles von Wilsons Weggefährtem Van Dyke Parks. Viele Titel sprechen für sich, wie etwa „Forever She'll Be My Surfer Girl“, „California Role“, ein hinreissendes Tribut an Hollywood im Dixieland-Stil, sowie die drei autobiografischen, reflektiven Songs „Southern California“, der ausgelassene Rock‘n‘Roller „Going Home“ und das ergreifende „Midnight's Another Day“. Wilson hat seine künstlerische Freiheit als Produzent genutzt, mit vielen alten Freunden das Beste aus Beach-Boys- und Beatles-Harmonien mit Big Band, Latino und groß inszenierten Streicherpartien zu einem sonnigen, lebensfrohen Szenario zu mischen, was bereits das Sixties-Cover verspricht. Brian Wilson ist endlich ganz und gar bei sich angekommen. -- Ingeborg Schober

Seit Anbeginn der Karriere der Beach Boys bin ich Fan, also seit über 40 Jahren. Schon lange leben die beiden jüngeren Brüder Brians, Dennis und Carl, nicht mehr. Von Dennis gibt es übrigens auch eine Wiederveröffentlichung seines Albums Pacific Ocean Blue, eine wunderschöne Legacy Edition als Doppel CD. Ausgerechnet Brian, dem man in 70er kaum noch Überlebenschancen gab, ist wieder auferstanden - und wie! Seit er solo auf Tournee geht, habe ich ihn und seine phantastische Band live gesehen: in Deutschland, Holland und vor allem London. So war ich auch letztes Jahr dort und habe die Uraufführung von That Lucky Old Sun erleben dürfen. Ich werde das nie vergessen. (KDR)


Die Grenze, der Strom und das Drama
von KD Regenbrecht,
Schon 1990 erschienen:
Die Live-Mitschrift der Wiedervereinigung.
Auszug:
Neunter November 1989, West-Berlin:
Sie hüpfte um mich herum, boxte mir in den Magen, zog meine ... mehr


August/September: Die Reisen des Johannes von KD Regenbrecht


Juli 2008: Continuity von KD Regenbrecht


Mai/Juni 2008: Das Camp von KD Regenbrecht


Februar bis April 2008: Charlotte Link: Die letzte Spur.

Kurzbeschreibung
Fesselnd, abgründig, raffiniert - der sehnsüchtig erwartete neue Spannungsroman von Charlotte Link

Elaine Dawson ist vom Pech verfolgt. Als sie nach Gibraltar zur Hochzeit einer Freundin reisen will, werden sämtliche Flüge in Heathrow wegen Nebels gestrichen. Anstatt in der Abflughalle zu warten, nimmt sie das Angebot eines Fremden an, in seiner Wohnung zu übernachten - und wird von diesem Moment an nie wieder gesehen. Fünf Jahre später rollt die Journalistin Rosanna Hamilton den Fall neu auf. Plötzlich gibt es Hinweise, dass Elaine noch lebt. Doch als Rosanna diesen Spuren folgt, ahnt sie nicht, dass sie selbst bald in Lebensgefahr schweben wird ...

Klappentext
»Charlotte Link erzeugt in ihrem Thriller eine beinahe Nerven zerfetzende Spannung. Kunstvoll verflechten sich die Handlungsstränge zu einem fesselnden Krimi-Meisterwerk. Und gerade wenn der Leser meint, er wisse jetzt, wie der Hase läuft, schlägt Link noch ein paar atemberaubende Haken. Ein Taschenbuch zum Wegschmökern, das selbst am Strand noch für Gänsehaut sorgt.«

Hamburger Morgenpost über »Der fremde Gast«


Januar 2008, Doris Lessing: Das goldene Notizbuch:

Kurzbeschreibung
Das goldene Notizbuch, längst ein klassisches Dokument in der Geschichte der Befreiung der Frau, ist das komplexeste Werk über weibliche Intellektualität, das es gibt, und zugleich ein großer Roman über das geistige und moralische Klima in der Mitte unseres Jahrhunderts. Zunächst aber ist es die Geschichte von zwei Frauen, zwei Freundinnen - der Schriftstellerin Anna Wulf und der Schauspielerin Molly Jacobs. Beide sind um die vierzig, geschieden und haben ein Kind zu versorgen: »ungebundene Frauen«, die viele Beziehungen durchleben, haltbare und unhaltbare.
Eingeflochten in den Roman dieser Frauen sind die Notizbücher der Schriftstellerin Anna - das schwarze, das rote, das gelbe und das blaue. »Sie führt vier und nicht eines«, schreibt Doris Lessing, »weil sie, wie sie erkennt, die Dinge voneinander getrennt halten muß, aus Furcht vor dem Chaos, vor Formlosigkeit - vor dem Zusammenbruch.« Ihnen wird schließlich ein Ende gesetzt, und es entsteht etwas Neues: Das goldene Notizbuch.


Oktober/November 2007:
Stilles Chaos
von Sandro Veronesi

Kurzbeschreibung
Über den Mut, seiner inneren Stimme zu vertrauen

Sandro Veronesi ist neben Niccolò Ammaniti und Alessandro Baricco einer der wichtigsten italienischen Gegenwartsautoren. Sein Roman »Stilles Chaos« wurde mit dem Premio Strega ausgezeichnet und steht seit Monaten auf den italienischen Bestsellerlisten. Der Roman wird in zehn Sprachen übersetzt und mit Nanni Moretti in der Hauptrolle verfilmt werden.

Es sollte ein entspannter Tag am Meer werden, doch als er zu Ende geht, hat sich das Leben des vom Erfolg verwöhnten Mailänder Managers Pietro schlagartig verändert: seine Lebensgefährtin ist tot, die gemeinsame Tochter Claudia traumatisiert. Immer wird sich Pietro vorwerfen, im entscheidenden Moment für Frau und Kind nicht da gewesen zu sein. Das soll nie wieder vorkommen. Er beschließt, von nun an für seine Tochter immer verfügbar zu sein. Tagtäglich sitzt er vor Claudias Schule und wartet, bis sie wieder aus dem Gebäude auftaucht. Dass er sich mit seiner totalen Fürsorge lächerlich macht, interessiert ihn nicht. Seine Umwelt ist zunächst irritiert - und dann zunehmend fasziniert. Da wagt es einer, sich nicht von der Vernunft, sondern von seinen Empfindungen leiten zu lassen. Pietro wird zu einer Attraktion, zu dem die Mitmenschen mit ihren Sorgen und Nöten kommen, der Zeit für sie hat und der es versteht, ihnen wieder Lebensmut zu geben. Ein herrlich subversiver Roman über die Möglichkeit, aus dem Alltagstrott auszubrechen und das zu machen, was man für wirklich wichtig hält im Leben.


August/September 2007
Eine Frage der Zeit
von Alex Capus
Kurzbeschreibung
Drei deutsche Werftarbeiter und ihre Odyssee im Herzen Afrikas

Alex Capus besitzt eine wunderbare Doppelbegabung«, hieß es in einer Sendung des Hessischen Rundfunks treffend, »er recherchiert nicht nur gut und genau, er kann auch verdammt gut erzählen.« In seinem neuen Roman stellt Alex Capus seine Doppelbegabung erneut unter Beweis. Kraftvoll und unprätentiös erzählt er eine ganz unglaubliche, doch wahre Geschichte, in der es um die alte Frage geht, wie man unter der Macht der Umstände ein Leben in Anstand und Würde führen kann.

Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben, und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden.


Juni/Juli 2007:
Paul Auster: Reisen im Skriptorium

Kurzbeschreibung
In einem verschlossenen, abgedunkelten Zimmer sitzt ein alter Mann: vergesslich, gebrechlich, inkontinent. Er weiß weder genau, wer, noch wo er ist. Eine Kamera und Mikrophone beobachten ihn. Auf seinem Nachttisch stehen Dutzende Fotos von Menschen, die ihm bekannt vorkommen. Auch Anna Blume, eine Schwester, die ihn versorgt, scheint ihm vertraut. Und richtig, auch sie ist als junges Mädchen auf einem der Fotos abgebildet. Sie nennt ihn Mr. Blank und sagt, er habe sie, wie viele andere, vor Jahren als seine «Beauftragte» in die Welt hinausgeschickt, an einen entsetzlichen Ort des Todes und der Zerstörung. Aber es sei nicht seine Schuld, er habe getan, was er musste. Je mehr und je vergeblicher Mr. Blank sich besinnt, desto tiefer gerät er in ein Labyrinth erdachter Welten, bis er sich schließlich selbst in den Zeilen eines Manuskripts begegnet, das auf einem Holztisch in seiner Zelle liegt: In einem verschlossenen, abgedunkelten Zimmer sitzt er als alter Mann... «Reisen im Skriptorium» ist ein raffiniertes Vexierspiel, finten- und voltenreich, brillant und kunstvoll. Begeben Sie sich mit Paul Auster auf die Reise in einen Teufelskreis der Phantasie.

Der Link zur englischen Ausgabe


April/Mai 2007
Olaf Kraemer, Uschi Obermaier: High Times

Aus der Amazon.de-Redaktion
Sie war die weibliche Ikone der 68er-Bewegung, dazu Model, Muse, Groupie, Lebenshungrige. Das Bett teilte sie mit Mick Jagger und Keith Richards, kaum eine Droge hat sie ausgelassen -- sie stand für die neue, freizügige Weiblichkeit, die alles konnte und alles machte.

In High Times schildert Uschi Obermaier in authentischem Erzählton Episoden aus ihrem wilden Leben. Grundlage sind 50 Stunden Interview mit dem Journalisten und Drehbuchautor Olaf Kraemer aus dem Jahr 1992. Das Material lag dann fast 15 Jahre auf Eis, weil es sowohl ihr selbst als auch zahlreichen deutschen Verlagen zu drastisch erschien. Nun hat sie es doch publiziert, in ihrem ganz eigenen Sound, der perfekt zu dem rasanten Leben passt, das jahrzehntelang wie ein Roadmovie im Zeitraffer ablief.

Zu Anfang sehen wir die kleine Uschi in Sendling, schon damals war sie von den "wilden Jungs" im Ort fasziniert. Da gab's die ersten Kellerpartys, geraucht wurde "Judenstrick" und nebenbei "so'n bisschen an den Titties angefasst". Dann kam der erste Sex, Sex in der Kirche, im Freien, in der Isetta, überall wurde "rumgemacht", die Entdeckung der Lust hatte etwas Religiöses. Es folgte der Sprung nach München, sie "eroberte die Welt an der Seite eines Mannes", im Big Apple wurde bis morgens gesoffen, gekifft, gesnift und geliebt. Immer schon wollte Uschi Obermaier Verbotenes ausprobieren. Sie ging mit den durchreisenden Musikern aufs Hotelzimmer, schmiss LSD-Trips und machte die ersten Foto-Shootings.

1968 begegnete ihr mit Rainer Langhans die erste große Liebe, Stichwort: Kommune 1 in Berlin. Für die Medien waren sie "das schönste Paar der APO" (Stern). Dabei war Uschi Obermaier hoffnungslos unpolitisch und blieb für die übrigen Kommunarden immer das dumme Fotomodell, das bei den endlosen Gruppensessions regelmäßig einschlief. Schließlich ging es zurück nach München, Mick Jagger und Keith Richards klingelten in derselben Nacht an ihrer Tür -- Ersterer machte damals das Rennen, zu dem geplanten Dreier mit David Bowie ist es niemals gekommen.

Es folgten die zehn intensiven und selbstzerstörerischen Jahre mit Dieter Bockhorn, dem wilden Prinzen aus Hamburg, mit dem sie nach Indien reiste und im Wohnmobil durch die USA tourte, der aber immer mehr in seiner Drogensucht versank.

High Times steht für Sex, Drugs, Rock'n Roll -- dennoch werden Voyeure in dem Buch weniger auf ihre Kosten kommen, dafür aber all diejenigen, die sich ein authentisches Bild einer ganz ungewöhnlichen Stil-Ikone machen wollen.-- Henrik Flor, Literaturtest


Peter Sloterdijk: Zorn und Zeit

Kurzbeschreibung
Unverwechselbares Kennzeichen des Denkens und Schreibens von Peter Sloterdijk ist die Einbettung aktuellster Fragen in ihre lange Geschichte. Dadurch gelangt er zu Neubestimmungen der gegenwärtigen condition humaine, kann sie durch eine bisher unbekannte Perspektive sichtbar machen und unerwartete oder ungewollte Zusammenhänge nachweisen. In seinem neuen Essay geht er auf den Zorn ein, dessen Folgen sich als Kampf, Gewalt, Aggression äußern. Am Anfang des ersten Satzes der europäischen Überlieferung, die mit der Ilias beginnt, steht das Wort »Zorn«. Er gilt dort als unheilbringend – und wird deshalb hoch geschätzt, auch weil er Helden hervorbringt. Wie kommt es, daß Zorn schon relativ bald danach in der Polis nur in eng umgrenzten Situationen zugelassen wird? Wie kommt es in späteren kulturellen Traditionen zur Herausbildung des »heiligen Zorns« und damit zugleich eines ersten Begriffs von Gerechtigkeit? Wie ist eine kommunistische Weltbank des Zorns denkbar? Wie kam es dazu, daß die Gesellschaften mit Gerechtigkeit als Grundwert den Zorn in allen Kontexten ausgeschlossen haben? Und wie ist seiner Wiederkehr zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu begegnen? Peter Sloterdijk formuliert eine Antwort: »Große Politik geschieht allein im Modus von Balanceübungen. Die Balance üben heißt keinem notwendigen Kampf ausweichen, keinen überflüssigen provozieren. Es heißt auch, den Wettlauf mit der Umweltzerstörung und der allgemeinen Demoralisierung nicht verloren geben.


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