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Als
Kommissar Dieter Jänecke den schmalen Uferweg entlang fuhr und sich der
Ausblick auf den mit tanzenden Sonnenreflexen übersäten See öffnete,
dachte er unwillkürlich:
‚Muss
es denn immer sein, dass so ein schöner Tag durch einen solch blöden
Anlass versaut wird?’
Er
hielt seinen privaten grauen Astra an - der Dienstmercedes war
unfallbedingt außer Gefecht - und ging auf die beiden uniformierten
Kollegen zu, die am Ufer standen, neben ihnen zwei Sanitäter, die gerade
die Trage mit einem reglosen Jugendlichen in den Krankenwagen schoben, und
der Notarzt, kenntlich an der breiten reflektierenden Aufschrift über der
Brust.
„Nichts
zu machen“, sagte der Notarzt, „ich habe versucht, ihn zu reanimieren,
künstliche Atmung, Sauerstoff, Defibrillator, Sie wissen ja, das ganze
Programm, aber war nichts. Exitus“…Er schaute Jänecke an. „Letalis“,
fügte er hinzu, als ob Jänecke nicht wüsste, was dies bedeutete.
„Können
Sie etwas über die Todesursache sagen?“ fragte Jänecke. „Na, wenn
einer im Wasser liegt und herausgezogen werden muss, braucht man nicht
lange zu raten“, sagte der Notarzt. „Aber genaueres weiß man erst
nach der Autopsie.“ Jänecke nickte, grunzte zustimmend und dachte:
‚Wie immer, wenn man etwas wissen will - die Kerle legen sich nie
fest.’
Die
beiden Uniformierten hatten den Ort, an dem man den Jugendlichen
herausgezogen hatte, mit Absperrband umzäunt. Das grasbewachsene Ufer war
relativ steil, und an einer Stelle lagen eine blaue Wolldecke, daneben
eine Angel und ein Kescher.
„Zwei
Jungen haben ihn gefunden, sie wollten am Wasser spielen“, sagte einer
der Uniformierten, „sie sind jetzt zu Hause, wir wollten sie nicht
festhalten, aber wir haben natürlich die Anschriften.“
„Die
Spurensicherung muss her! “ meinte Jänecke unwirsch. „Sind
unterwegs“, war die Antwort.
Kurze
Zeit später trafen die beiden Kollegen in ihren weißen Overalls ein. Sie
näherten sich dem Fundort auf den Fußabdrücken der Rettungssanitäter,
sorgfältig auf andere Spuren achtend. „He, Jänecke, “ rief einer,
„hier haben wir etwas Interessantes gefunden!“ und hielt zwei kleine
helle längliche Gegenstände hoch.
„Was
ist das?“ fragte Jänecke. Der Kollege roch an den Dingern, steckte sie
in zwei Plastiktütchen und brachte sie zu Jänecke. „Na, kommt Dir das
bekannt vor?“ fragte der Kollege. „Das sind ja…“ „Richtig, das
sind die Kippen von zwei mächtigen Joints, es liegt noch Asche auf der
Decke. Riecht nach „grüner Libanese“. Der Junge hat sich wohl gerade
den dritten `reingezogen und war sternhagelvoll bekifft. Schätze, erst
schwebte er in süßen Träumen, und dann platschte er ins Wasser und
ersoff. Aber ob es wirklich so war, wird letztlich erst die
Blutuntersuchung ergeben.“
„Und
Fremdverschulden?“
„Nee,
“ meinte der Kollege, „nichts zu erkennen, keine anderen Spuren.
Wenn’s nicht grade die böse Wassernixe war…“ „Witzbold“ knurrte
Jänecke. Er atmete auf. Also kein Mord, ein Unglücksfall. Bedauerlich,
aber so was kam vor.
Er
konnte wieder los.
Jänicke
schaute auf den See, die Sonne warf immer noch tausend tanzende Tupfen auf
das Wasser, und ein warmer Windhauch wehte ihm entgegen. Es würde doch
noch ein schöner Tag werden.
©
Frank Becher 2005
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