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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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Das gemeinsame Projekt der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Herbst 2001),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie, Beitrag von Petra Burow

Allein im Haus

Sie alberten schon den ganzen schönen Morgen herum. Sie verstanden sich wirklich gut, die beiden Mädchen. Rita, neun Jahre und ihre Cousine Petra, elf Jahre alt, trafen sich sehr oft, ja, man konnte sie als gute Freundinnen bezeichnen. Die vergangene Nacht durften sie bei Rita zu Hause schlafen, da am heutigen Montag schulfrei war. Auch dies taten sie des öfteren, Rita als Einzelkind genoss es, jemanden in ihrem Alter bei sich zu haben, und Petra war froh, ihren beiden jüngeren Brüdern zu entkommen. Die beiden Quälgeister, die sie zwar sehr lieb hatte, die sich jedoch nur zu streiten schienen, waren recht nervig.

Rita und Petra hatten einen schönen Chips-Abend verbracht. Ein solcher Chips-Abend fand unter der Bettdecke statt. Eine Taschenlampe eine Schüssel Chips und viel Phantasie waren hierfür von Nöten. Die Mädchen saßen dann unter der Decke und erzählten sich Chips vertilgender Weise im Schein der kleinen Taschenlampe Geschichten, die sie sich gerade ausdachten. Meist gab es dabei viel zu lachen.

Nun waren sie alleine im Haus. Ein kleines Einfamilienhaus, das schon von ihren gemeinsamen Urgroßeltern gebaut wurde und jetzt von Rita, ihren Eltern und ihrer Großmutter bewohnt wurde. Von der Eingangstüre aus führte ein langer Gang, der rechts eine Türe ins Wohnzimmer der Großmutter hatte und links eine ins Esszimmer. An seinem Ende war die Treppe ins Obergeschoss, daneben die Türe in den Keller, ein alter Gewölbekeller. Die Türe in der linken, hinteren Ecke, führte ins Badezimmer. Gerade in diesem Badezimmer befanden sich die Mädchen, als sie aus ihrem Gelächter gerissen wurden.

Eindeutige Schritte auf der Holztreppe waren zu hören. Schwere Tritte, nicht nur so, als würde das Holz arbeiten, ein wenig knacken, nein, schwere laute Tritte. Es war auch nicht so, als hätten die Mädchen darauf gelauert, etwas zu hören. Ja, dann hört man immer ein Geräusch in einem alten Haus. Nein, nein, das war anders. Diese Schritte hatten sie in ihrer Unterhaltung, ihrem Gelächter, unterbrochen. Es war deutlich zu hören, sie kamen von oben, immer weiter nach unten, Tritt für Tritt. Gleich würden sie den Fuß der Treppe erreicht haben, direkt vor der Badezimmertüre.

Petra sprang die zwei Schritte vom Spiegel bis zur Tür, und schloss ab. Erschrocken sahen sich die beiden an. Es war doch niemand mehr im Haus. Ritas Vater und Mutter waren arbeiten und die Oma war zum Einkaufen in die Stadt gefahren, sie würde nicht vor Abend zurück sein. Hinter der verschlossenen Türe stellten sich die Mädchen auf und lauschten mit angehaltenem Atem. Da, ein Klicken. Neben der Badezimmertür befand sich der Sicherungskasten hinter einer kleinen Holztüre, in einem Wandschrank. Das Klicken hätte dieses Türschloss sein können. Und richtig, das Licht ging aus. Die Angst der Beiden stieg nun ins Unermessliche. Rita wagte trotzdem ein zaghaftes Rufen:

Wer ist da? Wer ist denn da?
Nichts - Stille.

Sie sahen sich an, und fast gleichzeitig musste ihnen der Gedanke gekommen sein: Das Fenster. Petra stieg auf die Badewanne und öffnete es. Zusammen sprangen die Mädchen
in ihrer Panik aus dem Fenster. Sie landeten hinter dem Haus und liefen schnell um es herum nach vorne zum Eingang. Nachdem sie sich etwas gefangen hatten, wieder regelmäßige Atemzüge zustande brachten und auch wieder Spuke zum Schlucken im Mund hatten, trauten sie sich, durch das Fenster an der Eingangstüre zu schauen. Dort standen sie Hand in Hand und spähten hinein. Jeden Moment auf dem Sprung, falls sie etwas - was eigentlich? - sehen würden. Es war nichts zu sehen.

Die Hoftür öffnete sich und Ritas Mutter kam nach Hause. Sie wunderte sich, weil die Mädchen vor der Tür standen, glaubte jedoch kein Wort von den Erzählungen der Beiden.

Die Haustüre war verschlossen, wer auch immer im Haus war, er hatte es nicht auf diesem Wege verlassen.

Hinter dem Rücken von Ritas Mutter versteckt, gingen die Mädchen mit ins Haus. Auch wenn sie den Kindern nicht glaubte, so erklärte sie sich doch bereit, mit ihnen in die Zimmer zu schauen, ob sie leer waren. Niemand war zu finden, keine Spur war ausfindig zu machen. Noch nicht einmal das Licht im Bad war ein Beweis, es brannte nämlich wieder.

War er noch irgendwo im Haus? Der Keller und auch der Dachboden wurden nicht durchsucht. Würde er auf eine neue Gelegenheit warten?

© by Petra Burow, Januar 2002