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„Jetzt komm’ schon, spring endlich!“ rief Laura
und winkte.
Sie war schon fast in der Mitte des Sees angekommen
und ihr Haar klebte am Kopf. Es hatte mich schon immer fasziniert, ihr
Haar. Ich denke, sie wusste genau, dass ich kaum die Kraft aufbringen
konnte, woanders hinzuschauen, wenn sie es mit beiden Händen hinter ihren
Kopf zurücknahm. Es zog mich magisch an.
Sie zog mich magisch an.
Schon als ich sie zum ersten Mal an diesem Tisch im
Durchgang des überteuerten italienischen Bistros in den Löhr-Arkaden
sitzen sah. Mir fiel nichts Besseres ein, als im Zeitschriftladen nebenan
Zigaretten zu kaufen, obwohl ich schon seit drei Jahren nicht mehr
rauchte. Ich nahm einfach ihre Streichhölzer, zündete mir eine an und
ließ mich auf den Platz ihr gegenüber fallen. Doch meine mannhafte Tat
entlockte ihr kaum eine Reaktion. Mit hochgezogenen Augenbrauen vertiefte
sie sich wieder in den Inhalt ihres Aktenordners.
Auch in den folgenden Monaten blieb es oft schwer,
ihr eine Reaktion zu entlocken, wenn sie plötzlich gedankenverloren vor
sich hin starrte. Doch meist war ich nur atemlos damit beschäftigt, ihrem
Tempo zu folgen, atemlos bei dem Versuch, mit ihr Schritt zu halten.
Das erste Mal wurde mir beim Skifahren klar, dass ich
mich nicht mehr von ihr lösen konnte. Seit ich zwei Jahre alt war‚
hatten mein Vater und mein Bruder mich zu Höchstleistungen getrimmt.
Nichts liebte ich mehr, als Dutzende Pisten an einem Tag
hinunterzufliegen. Doch Laura musste ich bremsen, als sie noch in der Dämmerung
den Liftwart mit geschulterten Skiern zu einer letzten Fahrt überredete.
Ich wollte sie nicht bremsen, als sie mir sagte „Du bist der Mann meines
Lebens, ich will dich heiraten, ich will Kinder von dir bekommen."
Drei Tage später griff ich mit zitternden Fingern
nach der letzten Zigarette der zweiten Packung des Tages, nachdem sie mit
dem Fremden aus dem Zug verschwunden war. Plötzlich war ihr eingefallen,
sie kenne nicht genug spannende Menschen. Sie sprang auf, und ich fand sie
zwei Stunden später bei einem 60-jährigen Künstlertypen wieder, andächtig
seinen verquasten Ausführungen lauschend.
An unserer Haltestelle stieg ich allein aus.
Es sei nur eine Affäre mit uns, hat sie am
Wochenende zu meinem besten Freund Oliver gesagt.
Nur eine Affäre, dachte ich, und schwamm auf sie zu.
©
Tanja Schurf 2005
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