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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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Das gemeinsame Projekt
der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Sommer 2005),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie zum Schiller-Jahr, Beitrag von Tanja Schurf

Fischerknabe singt im Kahn: Melodie des Kuhreihens

Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade,
Da hört er ein Klingen,
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.
Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust,
Und es ruft aus den Tiefen:
Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh ihn herein.

(Aus: Wilhelm Tell, Friedrich Schiller)

 

„Jetzt komm’ schon, spring endlich!“ rief Laura und winkte.

Sie war schon fast in der Mitte des Sees angekommen und ihr Haar klebte am Kopf. Es hatte mich schon immer fasziniert, ihr Haar. Ich denke, sie wusste genau, dass ich kaum die Kraft aufbringen konnte, woanders hinzuschauen, wenn sie es mit beiden Händen hinter ihren Kopf zurücknahm. Es zog mich magisch an. 

Sie zog mich magisch an. 

Schon als ich sie zum ersten Mal an diesem Tisch im Durchgang des überteuerten italienischen Bistros in den Löhr-Arkaden sitzen sah. Mir fiel nichts Besseres ein, als im Zeitschriftladen nebenan Zigaretten zu kaufen, obwohl ich schon seit drei Jahren nicht mehr rauchte. Ich nahm einfach ihre Streichhölzer, zündete mir eine an und ließ mich auf den Platz ihr gegenüber fallen. Doch meine mannhafte Tat entlockte ihr kaum eine Reaktion. Mit hochgezogenen Augenbrauen vertiefte sie sich wieder in den Inhalt ihres Aktenordners.

Auch in den folgenden Monaten blieb es oft schwer, ihr eine Reaktion zu entlocken, wenn sie plötzlich gedankenverloren vor sich hin starrte. Doch meist war ich nur atemlos damit beschäftigt, ihrem Tempo zu folgen, atemlos bei dem Versuch, mit ihr Schritt zu halten.

Das erste Mal wurde mir beim Skifahren klar, dass ich mich nicht mehr von ihr lösen konnte. Seit ich zwei Jahre alt war‚ hatten mein Vater und mein Bruder mich zu Höchstleistungen getrimmt. Nichts liebte ich mehr, als Dutzende Pisten an einem Tag hinunterzufliegen. Doch Laura musste ich bremsen, als sie noch in der Dämmerung den Liftwart mit geschulterten Skiern zu einer letzten Fahrt überredete. Ich wollte sie nicht bremsen, als sie mir sagte „Du bist der Mann meines Lebens, ich will dich heiraten, ich will Kinder von dir bekommen."

Drei Tage später griff ich mit zitternden Fingern nach der letzten Zigarette der zweiten Packung des Tages, nachdem sie mit dem Fremden aus dem Zug verschwunden war. Plötzlich war ihr eingefallen, sie kenne nicht genug spannende Menschen. Sie sprang auf, und ich fand sie zwei Stunden später bei einem 60-jährigen Künstlertypen wieder, andächtig seinen verquasten Ausführungen lauschend.

An unserer Haltestelle stieg ich allein aus.

Es sei nur eine Affäre mit uns, hat sie am Wochenende zu meinem besten Freund Oliver gesagt.

Nur eine Affäre, dachte ich, und schwamm auf sie zu.

© Tanja Schurf 2005