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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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Das gemeinsame Projekt
der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Herbst 2002),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie 2, Beitrag von Frank Becher

Das Mädchenhaus - Fortsetzung I

Bei der nächsten Gelegenheit sprach ich Rebecca darauf an.

„Wir wollen uns ein Haus kaufen, und hundert Mark haben wir schon gespart.“

„Wozu braucht ihr denn ein Haus?“

„Na, zum Spielen, so ein Gewächshaus!“

„ Aber ist nicht ein Gartenhaus viel praktischer? Es geht nicht so leicht kaputt, und es wird auch nicht so heiss drinnen, wenn die Sonne scheint.“

„ Ja, das ist uns eigentlich egal, wir hätten nur gern ein Haus.“

„Und wo wollt ihr es aufstellen?“

„Darüber haben wir noch nicht nachgedacht.“

Es vergingen wenige Tage, da rief Julia an.

„Rebecca möchte dich was fragen“, sagte sie.

„Nur zu, “ meinte ich, „lass sie mal ans Telefon.“

„Ja, aber sie traut sich nicht.“

„Kein Problem, sie kann ruhig mit mir sprechen.“

Nach ein paar Sekunden Getuschel war Rebecca am Telefon.

„Ralf“, sagte sie. „Kann ich dich was fragen?“

„Aber klar, frag nur.“

„Können wir unser Haus in Deinem Garten aufstellen?“

Mein Gott, so ein Monstrum in meinem Garten - aber nun ja, wenn zarte Mädchenstimmen einen Herzenswunsch haben -

„Pass mal auf, “ sagte ich, „wir reden darüber, wenn Du wieder mal bei mir bist, vielleicht findet sich eine Lösung.“

Julia meinte, ich könnte doch die Fläche nehmen, hinten am Zaun neben meinem eigenen Gartenhaus, die sie eigentlich für ihr Beet haben wollte.

In der Nacht schlief ich etwas unruhig. Mein ganzer Garten war im Traum voller Gartenhäuser, und es war gar kein Platz mehr für Bäume, die paar Blumen und Pflanzen, vom Rasen ganz zu schweigen. Auch mein geliebter Springbrunnen sah wie ein Gartenhaus aus. Alles schön und gut, und ich freue mich, wenn kleine Mädchen im Garten spielen. Aber was ist, wenn sie älter werden? Wie gross ist das Interesse von Teenagern an Gartenhäusern? Will you still need me? Wer kümmert sich dann um das zweite Gartenhaus, wenn sie 15 oder 20 Jahre sind - wer entsorgt es, und wie, wenn es nicht mehr gebraucht wird?

Und dann kam die Erleuchtung.

Ich rief Rebecca an und fragte: „Wie wäre es, wenn wir mein Gartenhaus ausräumen, in der Garage ist noch Platz für die Geräte, und ihr könnt es euch einrichten und spielen so viel Ihr wollt, und ihr könnt auch Euer Geld sparen“.

Es verging ein kurzer Augenblick, dann meinte Rebecca:

„Das ist nicht schlecht, ich spreche mit meiner Freundin, und wir kommen mal und sagen dir Bescheid.“

Ein paar Tage später klingelten sie, und das Gartenhaus wurde besichtigt und fand ihre Billigung. Ein erwachsener Mann kann darin zwar nicht drin stehen, aber für zwei Mädchen, eine 130 cm, die andere 145 cm war es o. K. Auf jeden Fall machten sie schon mal - zwischen den Geräten - eine Liegeprobe, und auch dafür war Platz genug.

„Wann wollen wir denn dann mal die Geräte in die Garage schaffen - Ihr helft mir doch dabei, nicht wahr?“

Und in der Tat, nach wieder ein paar Tagen kamen sie, und wir trugen die Spaten, Schaufeln, Harken, Rechen, die Sense - das habe ich lieber selbst gemacht - und manches andere um das Haus herum durch den schmalen Gartenweg in die Garage. Den Häcksler und den Rasenmäher luden wir auf die Schubkarre, und gemeinsam schoben wir sie über einige Absätze und Treppenstufen, wobei ich die Karre nahm und die Mädchen das Gerät festhielten, alles ganz vorsichtig, damit nichts passierte. Nach einer guten Stunde war das Gartenhaus leer, und die beiden baten um einen Besen, um auszufegen.

„Wir wollen es noch anstreichen und auch noch Teppichboden reinlegen“ sagten sie.

Anstreichen? In den folgenden Tagen informierte ich mich im Baumarkt über einen zweckmässigen Anstrich - auf Holz - der kräftige Farben haben und möglichst schadstofffrei und gut haftend sein sollte, ganz besonders sollte er keine giftigen Lösungsmittel ausdünsten. Das war gar nicht so einfach.

Und es war überflüssig.

Als ich an einem der nächsten Sonnen-Nachmittage von der Arbeit kam, sah ich die beiden Mädchen und Julia vergnügt am Gartenhaus sitzen - und alle hatten sie rote Farbe auf den gottseidank alten Kleidern, den Händen und etwas auch im Gesicht. Sie hatten natürlich Acrylfarbe genommen, mit besonders giftigem Lösungsmittel. Eine Wand, die mit dem kleinen Fenster, war ochsenblutfarbig gestrichen wie der Sitzungssaal im Amtsgericht Herzberg, wo ich meine erste Referendarstation gemacht habe, und stank ganz fürchterlich. Auf dem Holzfussboden lag ein alter Teppichboden, ein alter Sessel stand da, und die Stirnwand war mit einem blassen Weiß gestrichen, darauf grosse schwarze unregelmässige Flecken mit Rundungen und Einbuchtungen.

„Was ist denn das“? fragte ich.

„Das sind Kuhflecken“, sagten die beiden stolz.

„Was sind Kuhflecken?“

„Nun, die schwarzen Flecken auf den Kühen!“ belehrte man mich mit nachsichtigem Unterton.

Ausserdem war ein Bild einer Löwenmutter mit neun Jungen - wohl aus einer Zeitschrift - mit Reisszwecken befestigt, und ein Bild von zwei Delphinen, unter Wasser.

Rechts aber prangte ein grosses Poster von Lara Croft, und ich erinnerte mich, dass sich die beiden den Film mit ihrem schmalen Taschengeld dreimal angeschaut hatten.

„Ihr seht ja lustig aus“, sagte ich.

„Ja, das ist nur etwas Farbe - sie geht aber nicht ab mit Wasser.“

„Kein Problem“, sagte ich stolz, „ich habe Nitroverdünnung im Haus.“

Ich holte die Dose, und Hautcreme, und einige Lappen. Und so wischte ich vorsichtig mit dem über den Finger gestülpten Lappen und etwas Lösungsmittel über die zarten Mädchenwangen, bis fast alle Farbe weg war - der Rest musste mit Waschen abgehen, und mit etwas mehr Lösungsmittel wurden die Hände abgewischt und dann gleich gut abgespült und eingecremt.

Damit war alles in Ordnung, Nach einer Weile schlossen wir das Gartenhaus ab, sie durften das selbst machen, zur Probe, und wir vereinbarten, wo wir den Schlüssel verstecken wollten, damit sie jederzeit in ihr Haus konnten; die Kombination vom Vorhängeschloss am Gartentor kannten sie ja.

Weiter zu Teil 3

© Frank Becher 2003