Die Post ist da.
Samstag
morgen neun Uhr: Pünktlich wie immer klappert der Briefkasten, ein
Zeichen, dass der Briefträger die Post einwirft.
Ich gehe
die Treppe runter, den Briefkastenschlüssel in der Hand. Was erwartet
mich denn heute, Rechnungen, Absagen, Werbung? Ich schließe den
Briefkasten auf und nehme die Post heraus. Wieder ein großer Stapel
Papier, von dem ich wahrscheinlich das meiste in den Papierkorb werfen
kann.
Dann gehe
ich die Treppe hoch, hänge den Briefkastenschlüssel an den Haken, nehme
eine Tasse Kaffee und setze mich an den Küchentisch. Dann fange ich an zu
sortieren, Werbung, Werbung, oh eine Rechnung, Werbung, Werbung, ein Brief
von meiner Brieffreundin, Werbung, Werbung, Absage. Immer das selbe.
Woher
haben die alle meine Adresse? Da sind Firmen dabei von denen ich noch nie
etwas gehört habe. Weg damit, brauche ich nicht. Dann nehme ich mir die
Rechnung vor, eine Mahnung, habe ich doch glatt vergessen die CD´s zu
bezahlen, muss ich direkt erledigen. Dann nehme ich mir die Absage vor.
„.....bedauern wir, Ihnen keine positive Nachricht geben zu können. Wir
haben uns für einen anderen Bewerber entschieden......“ Bla,
bla bla, immer das selbe. Das beste hebe ich mir immer bis zum
Schluss auf. Kerstin hat geschrieben, endlich ein Brief den ich gerne
lese. Sie hat immer viel zu erzählen.
Danach
werfe ich die Werbung in den Papierkorb, die Mahnung kommt neben den PC (überweise
ich über Online-Banking), die Absage in den Ordner mit den anderen
Absagen und Kerstins Brief kommt zu ihren anderen Briefen, werde ich
morgen beantworten. So geht das jeden Samstag morgen.
Ich
erinnere mich noch gut an den Tag, an dem sich mein Leben entscheidend verändern
sollte.
An dem
Tag entschied ich mich endlich eine eigene Wohnung zu beziehen. Es wurde
Zeit, denn ich wollte meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen.
Die ganze
Zeit überlegte ich mir schon, wie ich die Wohnung einrichten wollte.
Endlich etwas eigenes, kein stundenlanges Warten vor dem Bad, kochen was
mir schmeckte und heimkommen wann ich wollte.
Da fiel
mir wieder die letzte Diskussion ein. Meine Mutter und ich standen am Herd
und kochten etwas leckeres. Zuerst guckte mein Vater in die Töpfe:
„Igitt, was ist das denn?“. Dann kam mein Bruder: „ Habt Ihr nichts
besseres anzubieten?“ Nein, so was wollte ich nicht noch mal erleben.
Dann die
letzte Aktion im Badezimmer. Mein Vater rief:“ Ich war zuerst da.“.
Dann meine Mutter:“ Ich muss dringend ins Bad.“ Immer musste man sich
anstellen. Das sollte ein Ende haben.
Dann nahm
ich mir die Zeitung in die Hand und studierte die Wohnungsanzeigen. Gar
nicht so einfach eine Wohnung zu finden, die günstig ist und relativ nah
an der Stadt liegt. Ich kreuzte ein paar anzeigen an und setzte mich ans
Telefon. Zwei Wohnungen konnte ich mir sofort ansehen. Vielleicht war ja
etwas dabei und zog los. Nein, das war nichts für mich dabei.
Ein paar
Tage später traf ich zufällig eine Freundin meiner Mutter und erzählte
so ganz nebenbei, dass ich eine Wohnung suchte. Ich war erstaunt, als sie
mir erzählte, dass in ihrem Haus ein kleines Appartement frei war. Nichts
großes, Küche, Wohn- Schlafzimmer und Bad, wenn ich Interesse hätte könnte
ich mir das sofort ansehen. Gesagt, getan. Die Wohnung war perfekt, sogar
frisch renoviert und sofort sagte ich zu. Jetzt konnte es losgehen mit
Kisten packen und Wohnung einrichten. Dass das so schnell ging hätte ich
nicht gedacht und endlich ging ein Traum in Erfüllung. Innerhalb von ein
paar Wochen war die Wohnung eingerichtet und ich war dort eingezogen.
Endlich war ich allein!!!
©
Heike Böhm 2004
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