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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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Das gemeinsame Projekt
der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Herbst 2002),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie 3, Zwei Beiträge von Heike Böhm

Die Post ist da.

Samstag morgen neun Uhr: Pünktlich wie immer klappert der Briefkasten, ein Zeichen, dass der Briefträger die Post einwirft. 

Ich gehe die Treppe runter, den Briefkastenschlüssel in der Hand. Was erwartet mich denn heute, Rechnungen, Absagen, Werbung? Ich schließe den Briefkasten auf und nehme die Post heraus. Wieder ein großer Stapel Papier, von dem ich wahrscheinlich das meiste in den Papierkorb werfen kann. 

Dann gehe ich die Treppe hoch, hänge den Briefkastenschlüssel an den Haken, nehme eine Tasse Kaffee und setze mich an den Küchentisch. Dann fange ich an zu sortieren, Werbung, Werbung, oh eine Rechnung, Werbung, Werbung, ein Brief von meiner Brieffreundin, Werbung, Werbung, Absage. Immer das selbe. 

Woher haben die alle meine Adresse? Da sind Firmen dabei von denen ich noch nie etwas gehört habe. Weg damit, brauche ich nicht. Dann nehme ich mir die Rechnung vor, eine Mahnung, habe ich doch glatt vergessen die CD´s zu bezahlen, muss ich direkt erledigen. Dann nehme ich mir die Absage vor. „.....bedauern wir, Ihnen keine positive Nachricht geben zu können. Wir haben uns für einen anderen Bewerber entschieden......“ Bla, bla bla, immer das selbe. Das beste hebe ich mir immer bis zum Schluss auf. Kerstin hat geschrieben, endlich ein Brief den ich gerne lese. Sie hat immer viel zu erzählen. 

Danach werfe ich die Werbung in den Papierkorb, die Mahnung kommt neben den PC (überweise ich über Online-Banking), die Absage in den Ordner mit den anderen Absagen und Kerstins Brief kommt zu ihren anderen Briefen, werde ich morgen beantworten. So geht das jeden Samstag morgen.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem sich mein Leben entscheidend verändern sollte.

An dem Tag entschied ich mich endlich eine eigene Wohnung zu beziehen. Es wurde Zeit, denn ich wollte meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen.

Die ganze Zeit überlegte ich mir schon, wie ich die Wohnung einrichten wollte. Endlich etwas eigenes, kein stundenlanges Warten vor dem Bad, kochen was mir schmeckte und heimkommen wann ich wollte.

Da fiel mir wieder die letzte Diskussion ein. Meine Mutter und ich standen am Herd und kochten etwas leckeres. Zuerst guckte mein Vater in die Töpfe: „Igitt, was ist das denn?“. Dann kam mein Bruder: „ Habt Ihr nichts besseres anzubieten?“ Nein, so was wollte ich nicht noch mal erleben. 

Dann die letzte Aktion im Badezimmer. Mein Vater rief:“ Ich war zuerst da.“. Dann meine Mutter:“ Ich muss dringend ins Bad.“ Immer musste man sich anstellen. Das sollte ein Ende haben.

Dann nahm ich mir die Zeitung in die Hand und studierte die Wohnungsanzeigen. Gar nicht so einfach eine Wohnung zu finden, die günstig ist und relativ nah an der Stadt liegt. Ich kreuzte ein paar anzeigen an und setzte mich ans Telefon. Zwei Wohnungen konnte ich mir sofort ansehen. Vielleicht war ja etwas dabei und zog los. Nein, das war nichts für mich dabei.

Ein paar Tage später traf ich zufällig eine Freundin meiner Mutter und erzählte so ganz nebenbei, dass ich eine Wohnung suchte. Ich war erstaunt, als sie mir erzählte, dass in ihrem Haus ein kleines Appartement frei war. Nichts großes, Küche, Wohn- Schlafzimmer und Bad, wenn ich Interesse hätte könnte ich mir das sofort ansehen. Gesagt, getan. Die Wohnung war perfekt, sogar frisch renoviert und sofort sagte ich zu. Jetzt konnte es losgehen mit Kisten packen und Wohnung einrichten. Dass das so schnell ging hätte ich nicht gedacht und endlich ging ein Traum in Erfüllung. Innerhalb von ein paar Wochen war die Wohnung eingerichtet und ich war dort eingezogen. Endlich war ich allein!!!

© Heike Böhm 2004