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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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Das gemeinsame Projekt
der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Herbst 2002),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie 2, Beitrag von Hilde Engels

Um es vorwegzusagen, ich gelangte zufällig in das Haus, die Türe war nur angelehnt. Ich  sollte für Mrs. Taylor die Sonntagszeitungen verteilen. Sie war die Freundin meiner Mutter, deren Anwesenheit mich immer öfter unruhig werden ließ und eine eigentümliche Erregung in mir hervorrief. Samstag bat sie mich, ihr den Gefallen zu tun, sie sei plötzlich erkrankt.

Ihre Stimme klang merkwürdig sanft und dunkel. Oder bildete ich es mir nur ein ?

Es machte Spaß, einmal so früh aufzustehen. Schließlich besserte es mein Taschengeld auf.

Ich ging in der Dämmerung durch die Straßen unseres Viertels. Die Räder des Trolleys  rollten leise .An der Eckkneipe hätte ich gerne scheppernd die Bierdose weggekickt. Es war einfach zu früh für solche Späße. Die sonntägliche Ruhe dehnte sich über die Hausreihen und Vorgärten wie die graue Katze auf der Fensterbank.

Aber ich wollte ihnen doch die Geschichte erzählen

.Ich brauchte nur die abgezählten Zeitungen vor die Haustüren zu legen, nicht klingeln und auf keinen Fall mit den Briefschlitzen klappern .Jetzt wurde ich also neugierig, vergaß meine Aufgabe und betrat das Haus. Ich schaute nach oben in das vom schwachen Morgenlicht erhellte Treppenhaus. Eine kleine weiße Feder taumelte über das Geländer. Sofort spürte ich, dass jemand stehen geblieben  war und sich ruhig verhielt. Was sollte das bedeuten? Was ging es mich an? Längst hatte ich das Papierbündel abgelegt und schlich mich langsam die Treppenstufen hinauf, eng an der Wand entlang.

Jemand hatte Mrs. Taylor erwartet und war vor mir geflohen schoss es mir durch den Kopf. Ich fühlte mich von etwas unsichtbarem beobachtet, das mich lähmte, weiterzugehen. Mit einem Mal wurden mir die Augen von Mrs. Taylor bewusst, wunderschöne Augen, die mich manchmal forschend anschauten. Ich ahnte, dass da  Sinnliches in mir vorging und ich hasste diesen unbekannten Fremden, der mir etwas voraushatte.

© Hilde Engels 2003