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Um vier Uhr nachmittags fühlt man sich in unserem Tennisverein wie in einer
Bierkneipe oder in einer Sauna. Frisch geduschte Männer und Frauen gehen, das
Piccolo in der Hand, zwischen Bar und Terrasse hin und her. Das Restaurant öffnet
sich zum Fluss. Den Hang hoch ziehen sich hinter der Tennisanlage kubische
Appartementhäuser. Das andere Ufer ist bewaldet. Vom Truppenübungsplatz hört
man das schnelle, knackende Übungsfeuer. Links hinten liegt die Bar, in der
Marianne, die Pächterin, und Herbert, unser Wirt, residieren. Ihre Piccolos
sind so berühmt wie ihre Salatplatten und die Tabletts mit den Schnittchen. Die
rosafarbenen Tischdecken schlagen keine Falte. Vor den Tischen stehen die dunkel
gebeizten Bauernstühle im rechten Winkel.
Gegen halb fünf setzen wir uns in die verglaste Terrasse, weil's da sonniger
ist und man dort Ruhe hat. Im Spätherbst sind's fast immer Erlgart, unser
Steuerberater, der Autohändler Edgar, wenn er rechtzeitig wegkommt, Werner, der
irgendwas mit Mathematik macht, natürlich unser Wirt und Gagné, wenn in seiner
Agentur nicht zu viel zu tun ist. Abteilungsleiter Opaniak sitzt oft dabei und
taut erst auf, wenn er etwas getrunken hat. Unser Platzwart Adolf kommt, der mit
allen gut kann und den jeder nur Addi nennt, Helmut, der Richter, dann Brian,
der Rechtsanwalt und Karl, unsere Nummer Eins, die schon einmal die
Dreihundertsiebenunddreißig der Weltrangliste war. Wilhelm mit dem
abgebrochenen Jurastudium und einer bescheidenen Karriere bei der
Bezirks-Regierung und Philipp, unser Kassenwart, komplettieren die Runde.
"Ist euch übrigens aufgefallen," fragte Helmut, "dass unser
Edgar in der Zeitung war?"
"In welcher?", rief Erlgart.
"In unserer! Männer unserer Stadt. Vom Kleinwagen für den Einsteiger
bis zum Luxuswagen für gehobene Ansprüche."
"Wo ist er denn?", wollte Erlgart wissen.
Edgar war gerade gekommen, hatte die letzten Worte gehört und sah sich
verlegen um.
"Du wolltest was sagen?", fragte Helmut. "Du hast so tief Luft
geholt. Jetzt unterschreib erst mal die Glückwunschkarte für den alten
Vorstand."
"Ich muss auch noch unterschreiben," beeilte sich Gagné.
"Hast du noch nicht? Nicht so weit rechts! Das sieht schon so nach neuem
Vorstand aus!"
"Dann unterschreib' ich hier unter den anderen!", schob Gagné die
Karte zu ihm hin.
"Gibt's noch was wegen der Vorstandswahlen?", erkundigte sich Erlgart.
"Nein," beschied ihn Helmut. "Jeder kann jetzt erzählen, was
er will!"
Das Gespräch kam erst auf Männer, dann auf Frauen, dann auf Trennungen.
Jeder sollte von einer Trennung erzählen, und jeder wollte der letzte sein. Man
schämte sich und jeder hoffte darauf, dass die Aufmerksamkeit auf andere Dinge
gelenkt würde.
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