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Klaus-Dieter Regenbrecht


Jens Korbus:
Tie-Break im Taunus
Unterbrochene Geschichten im Clubhaus
Erzählung, 80 Seiten
ISBN 3-923532-73-3, KAFF-1

 

Gerrit Rudolph schreibt am 15. Oktober 1998 in der Rhein-Zeitung, Koblenz:

"Die Szene: Eine Runde, wie sie allabendlich in Hunderten deutscher Vereinshäuser und Kneipen zusammenkommen könnte. Männer in den mittleren Jahren, die scheinbar fest im Leben stehen, sitzen an einem Abend im Clubhaus ihres Tennisvereins zusammen. Zwischen Schnittchen und Bier erzählen sie Geschichten von gescheiterten Beziehungen, Trennungen und Enttäuschungen - meist locker verpackt, um eigene Frustration zu kaschieren. 'Tie-Break' ist eine kurzweilige Erzählung. Fast ausschließlich in direkter Rede verfasst, ist die Lektüre wie geschaffen für Lesemuffel."

Leseprobe (der Anfang): 

Um vier Uhr nachmittags fühlt man sich in unserem Tennisverein wie in einer Bierkneipe oder in einer Sauna. Frisch geduschte Männer und Frauen gehen, das Piccolo in der Hand, zwischen Bar und Terrasse hin und her. Das Restaurant öffnet sich zum Fluss. Den Hang hoch ziehen sich hinter der Tennisanlage kubische Appartementhäuser. Das andere Ufer ist bewaldet. Vom Truppenübungsplatz hört man das schnelle, knackende Übungsfeuer. Links hinten liegt die Bar, in der Marianne, die Pächterin, und Herbert, unser Wirt, residieren. Ihre Piccolos sind so berühmt wie ihre Salatplatten und die Tabletts mit den Schnittchen. Die rosafarbenen Tischdecken schlagen keine Falte. Vor den Tischen stehen die dunkel gebeizten Bauernstühle im rechten Winkel.

Gegen halb fünf setzen wir uns in die verglaste Terrasse, weil's da sonniger ist und man dort Ruhe hat. Im Spätherbst sind's fast immer Erlgart, unser Steuerberater, der Autohändler Edgar, wenn er rechtzeitig wegkommt, Werner, der irgendwas mit Mathematik macht, natürlich unser Wirt und Gagné, wenn in seiner Agentur nicht zu viel zu tun ist. Abteilungsleiter Opaniak sitzt oft dabei und taut erst auf, wenn er etwas getrunken hat. Unser Platzwart Adolf kommt, der mit allen gut kann und den jeder nur Addi nennt, Helmut, der Richter, dann Brian, der Rechtsanwalt und Karl, unsere Nummer Eins, die schon einmal die Dreihundertsiebenunddreißig der Weltrangliste war. Wilhelm mit dem abgebrochenen Jurastudium und einer bescheidenen Karriere bei der Bezirks-Regierung und Philipp, unser Kassenwart, komplettieren die Runde.

"Ist euch übrigens aufgefallen," fragte Helmut, "dass unser Edgar in der Zeitung war?"
"In welcher?", rief Erlgart.
"In unserer! Männer unserer Stadt. Vom Kleinwagen für den Einsteiger bis zum Luxuswagen für gehobene Ansprüche."
"Wo ist er denn?", wollte Erlgart wissen.
Edgar war gerade gekommen, hatte die letzten Worte gehört und sah sich verlegen um.
"Du wolltest was sagen?", fragte Helmut. "Du hast so tief Luft geholt. Jetzt unterschreib erst mal die Glückwunschkarte für den alten Vorstand."
"Ich muss auch noch unterschreiben," beeilte sich Gagné.
"Hast du noch nicht? Nicht so weit rechts! Das sieht schon so nach neuem Vorstand aus!"
"Dann unterschreib' ich hier unter den anderen!", schob Gagné die Karte zu ihm hin.
"Gibt's noch was wegen der Vorstandswahlen?", erkundigte sich Erlgart.
"Nein," beschied ihn Helmut. "Jeder kann jetzt erzählen, was er will!"

Das Gespräch kam erst auf Männer, dann auf Frauen, dann auf Trennungen. Jeder sollte von einer Trennung erzählen, und jeder wollte der letzte sein. Man schämte sich und jeder hoffte darauf, dass die Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt würde.

© by Verlag Dietmar Fölbach, Koblenz 1998