| Am Nachmittag zog es
mich an die frische Luft. Das war zwei Tage bevor ich anfing, diesen
Bericht zu schreiben. Es war sonnig und ich fühlte mich gut. Von Zeit zu
Zeit habe ich heftige Malariaschübe, nach deren Abklingen andere
Malaisen, die ich vorher hatte, unterdrückt werden. Dr. Barnekow
begegnete mir in der Eingangshalle, er wollte gerade eilig das Institut
verlassen. So viel Zeit hatte er aber, sich vor mir aufzubauen, um Verdächtigungen
vorzubringen und mir Vorhaltungen zu machen.
Ich sagte ihm, was er rumtreiben
nenne, sei ein Teil meines Lebens und verschlechtere meinen Zustand nicht.
Ich sei nicht verpflichtet, ständig im Hause zu sein. Eigentlich wollte
der Doc etwas anderes loswerden und das kam dann bissig aus ihm heraus:
Wenn er mich jemals erwischte oder Hinweise bekäme, dass ich mich mit
Frauen oder Mädchen abgäbe und sie in Gefahr brächte, würde er dafür
sorgen, dass ich hier abserviert würde. Fertigmachen stand ebenfalls auf
seinem Programm für mich. Fast zuviel der Ehre. Ich bin doch schon so
fertig.
(...)
Manchmal holten Heizer oder Matrosen sich Mädchen an Bord, um sie
tagelang während der Küstenfahrt in ihrer Kammer zu behalten. Die
bekamen dann später die Bahnfahrt zu ihrem Heimathafen bezahlt und alles
andere. Damit das gelang, mussten Zöllner und Wachleute bestochen werden,
das konnte ich gut. Bei der Schiffsführung hätte es kein Verständnis
gegeben, aber alle Beteiligten waren sehr diskret. Zwischen so vielen Häfen
kam eben kein Kuttenneid auf. Die Mädchen waren einmalig in ihrer
Leichtlebigkeit. Immer freundlich und willig. Und sehr schön. Meistens.
Nach der Ing-Schule suchte ich eine
Heuer auf einem Schiff nach Brasilien. Ich musste zu einer weniger
angesehenen Reederei wechseln, aber schließlich war ich nicht mit der
HAPAG verheiratet. Der Wechsel erwies sich nicht als Verschlechterung,
denn die Umgangsformen waren weniger steif. Ich wurde auch früher, als es
bei meiner alten Reederei üblich war, zum Zweiten befördert. |