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Kommentar 20

Die Unabhängigkeit des Journalismus
oder: Begründung der Kündigung meines Rhein-Zeitung-Abos.

Die Unabhängigkeit des Journalismus, der Redakteure ist ein wesentlicher Faktor für die Pressefreiheit, ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, die sich auf Gewaltenteilung und gegenseitige Kontrolle stützt.

Unabhängigkeit der Redakteure bedeutet aber nicht nur, unabhängig sein von politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Kräften in der Gesellschaft, über die berichtet wird, sondern sollte auch bedeuten, dass  das Medium, für das sie arbeiten, ihnen diesen Spielraum gewährt, sie nicht, von innen gewissermaßen, politischem, wirtschaftlichem oder religiösem Druck aussetzt, um tendenziöse Artikel zu erhalten.

Die RHEIN-ZEITUNG Koblenz ist ein Wirtschaftsunternehmen, ein Verbund von fast unüberschaubar vielen Firmen, deren Kern der Mittelrhein-Verlag ist. Ein Beispiel: Peter Burger ist zum einen der Geschäftsführer der Rhein-Zeitung rz-Reporter GmbH, zum anderen Stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung und damit wohl Angestellter der Mittelrhein-Verlag GmbH. Das bedeutet auch, dass viele Redakteure zwar für die Rhein-Zeitung, den Mittelrhein-Verlag, schreiben, aber in einer anderen GmbH beschäftigt sind.

Welche Motive und geschäftlichen Vorteile damit auch immer verbunden sein mögen, zu beobachten ist, dass sich die Bedingungen, unter denen die Redakteure arbeiten, dadurch radikal verändert haben. Viele und nicht nur altgediente (= teure) Redakteure wurden entlassen. Aber als Freie Journalisten werden sie weiter „beschäftigt“. Und das ist, wenn man sich die Gegebenheiten der Presselandschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz anschaut, eine Maßnahme, die den Betroffenen nur die Möglichkeit lässt, wegzuziehen oder unter verschärften wirtschaftlichen Zwängen das abzuliefern, was man ihnen abzuliefern erlaubt. Hier zeigt sich ein Paradoxon, dass nämlich Freie viel abhängiger sind als abhängig Beschäftigte.

Niemand kann glauben, dass Journalisten unter solchen Bedingungen unabhängig und frei ihre Arbeit tun können. Wenn die Redakteure der Rhein-Zeitung dennoch den Mut aufbringen, nicht die privaten Interessen der Geschäftsführung zu befriedigen, hat das meine allerhöchste Hochachtung. Dass die Geschäftsführung Inhalte an der Redaktion vorbei in die Rhein-Zeitung bringt, und ich spreche nicht von Anzeigen, macht das Ganze zu einer Provinzposse, die ich heute so für nicht mehr möglich gehalten hätte.

Ich habe die Rhein-Zeitung immer mit Gewinn gelesen.  Und auch über die mehr als zehn Bücher, die ich als Schriftsteller veröffentlicht habe, ist in den letzten 25 Jahren ausführlich und kompetent berichtet worden – bis auf die jüngste Zeit (sic!). Ob das damit zusammen hängt, dass ich mich in letzter Zeit immer häufiger veranlasst gesehen habe, kritische Leserbriefe und Schreiben an die Redaktion zu senden?
Meine Kündigung des seit vielen Jahren, Jahrzehnten währenden Abos bitte ich als Protest gegen die Praktiken der Geschäftsführung und gleichzeitig als Solidaritätsbezeugung für die Mutigen unter den Journalisten, angestellte und Freie, zu verstehen. Das ist auch der Grund dafür, dass ich diese Kündigung öffentlich mache.

„Aber man liest die Zeitungen wie man liebt: mit verbundenen Augen. Man versucht den Dingen nicht auf den Grund zu gehen. Man hört die süßen Reden des Chefredakteurs mit an, wie man den Worten seiner Geliebten lauscht. Man ist geschlagen und glücklich, weil man sich nicht geschlagen, sondern als Sieger fühlt.“
Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“
jonas

Klaus-Dieter Regenbrecht, im Februar 2015 (letzte Veröffentlichung von KD Regenbrecht: "Jonas von Dohms zu Brügge" - ein Schelmenroman, 2014 im Tabu Litu Verlag)