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Neuer
Regenbrecht Koblenzer Autor
legt eine Erzählung vor
KOBLENZ. Klaus-Dieter
Regenbrecht bleibt der kurzen Form treu: Hat der bekannte Koblenzer
Schriftsteller zuletzt vor vier Jahren einen Kurzgeschichtenband "Das
Camp" vorgelegt, so ist es jetzt eine Erzählung von rund 120 Seiten,
die in seinem eigenen Verlag Tabu Litu erschienen ist. "Die Reisen
des Johannes" ist der Titel des Bändchens.
Dabei geht es nicht etwa um
die Reisetätigkeit des Papstes Johannes Paul II., auch nicht um das
Wirken des biblischen Täufers. Sondern einfach um den relativ
sympathischen Johannes Welke - um die 40, Koblenzer, Berater mit eher
diffusen beruflichen Tätigkeiten, per Erbe zu Besitz Gekommener, der ein
sachtes Bohème-Leben lebt. Dieses genügsame, aufgeschlossene Leben
gerät aus den Fugen, als er unter seltsamen Umständen auf Clara trifft
und sich Hals über Kopf verliebt. Die handfeste Dame, die ein Schleier
der Rätselhaftigkeit umgibt, nimmt Kontakt zu ihm auf, weil sie ein
Interesse an einem Haus hat, das Welke besitzt. Daraufhin beginnt Johannes
zu reisen - und zwar in seine eigene Vergangenheit und in die seiner
Eltern.
Der Vater Franzose von
Blut, die Mutter Preußin, heute in Amerika lebend: So entwirft
Regenbrecht ein welt- und epochenumspannendes Panorama. Alles kulminiert
in diesem Johannes und mithin in Koblenz. Die Stadt wird hier, wenn schon nicht
ganz als Scheitelpunkt der Weltgeschichte, zumindest aber als
Demarkationslinie der europäischen Geschichte zwischen Ost und West,
zwischen ganz alter und neuer Welt beschrieben. Johannes reist
schließlich nach Polen - und trifft auf eine Person, die sein Denken
endgültig aus allen Fesseln reißt.
Regenbrecht schreibt flott
und gleichzeitig stellenweise mit enzyklopädischer Tiefe. Der Gedanke des
Verwebens von Historie und Familiengeschichte ist aber reizvoll und gut
ausgearbeitet. Indes - mancher Faden bleibt lose. Und das könnte der
formalen Kürze geschuldet sein.
Tim Kosmetschke, Rhein-Zeitung
Koblenz 30. August 2008
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