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Klaus-Dieter Regenbrecht


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Die kreativsten Stunden liegen am Vormittag

Klaus-Dieter Regenbrecht aus Koblenz: Ein Autor, der anderen den Weg zum erfolgreichen Schreiben weist und Mut macht zu langem Atem - Sein Rat: "Niemals Schreiben pur"

25 Jahre Schreibarbeit stecken in "Tabu Litu", dem neunbändigen Großwerk des Koblenzers Klaus-Dieter Regenbrecht. Mit den "Rheinland-Papieren" hat der Autor vor vier Jahren sein im Selbstverlag erschienenes Opus maximum beschlossen - ohne dass sein Name einem breiteren Leserpublikum bekannt geworden wäre. Doch das ficht KDR - so sein Kürzel - nicht an. Im Gegenteil. Er hat Neues in Arbeit.

KOBLENZ. Er macht anderen Mut zum Schreiben, bildet sie aus, ist stolz über die Erfolge seiner Schüler und nutzt - auf der Höhe der Zeit - die Chancen, die World Wide Web und neue Publikationsformen heutzutage einem Schriftsteller bieten. 200 Erwachsenen hat Klaus-Dieter Regenbrecht in zehn Jahren das Schreiben an der Volkshochschule Koblenz beigebracht, das professionelle Schreiben versteht sich. Durchaus erfolgreich. Einige der Regenbrecht-Schüler haben es schon recht weit gebracht, gewinnen gut dotierte Literaturpreise, spielen eine Rolle im organisierten literarischen Leben des Landes oder avancieren in der Dramaturgie. Darauf kann der Mentor, zu dessen Schreibwerkstatt manch einer 100 Kilometer weit fährt, zu Recht stolz sein. In seinen Kursen wendet der Autor die Methode des Kreativen Schreibens an. Als Student der Amerikanistik hat der jetzt 53-Jährige diese Technik kennen gelernt. Sie arbeitet unter anderem mit Bild-Sequenzen und Schlüsselwortlisten als Text-Stimuli.

Verknüpft hat KDR das kreative Schreiben auch mit dem Internet. Auf seiner Webseite (www.kloy.de) bietet der Dozent einen Schreibspiel-Workshop an. Geld oder Lorbeer gibt es da nicht zu gewinnen. Stattdessen eröffnen sich den kommenden Talenten durch Lesen und Vergleichen Wege, die eigene Kompetenz und Kreativität zu steigern oder, wie Regenbrecht es sagt, "dem eigenen Vermögen, Talent (what ever), welches ja immer begrenzt ist, nicht hilflos ausgeliefert zu sein".

Ein gemeinsames Schreibspiel beispielsweise hat sich, angeregt von Artikeln in der RZ, einem "Vulkan-Ausbruch am Laacher See" mit allen literarischen Mitteln verschrieben. Langen Atem braucht einer, der es mit der Schriftstellerei aufgenommen hat, weiß Regenbrecht aus eigener Erfahrung. Am Anfang - er ist 24 - stehen Gedichte, stark beeinflusst von US-Gegenwartslyrikern wie Ginsberg und Lowell. Zehn Jahre später weiß Regenbrecht: "Das Schreiben bleibt. Das wird`s dann sein." Er will die Schriftstellerei zunächst zum Beruf machen. "Tabu Litu Buch 1 Gedichte" erscheint. An dem auf neun Bände angelegten lyrischen und erzählerischen Werk arbeitet der Autor ein ganzes Vierteljahrhundert. Eine Beständigkeit, die einen Rezensenten durchaus respektvoll "Durchhaltevermögen" attestieren lässt. Dennoch: Der große Durchbruch ist Regenbrecht mit dem Projekt "Tabu Litu" nicht vergönnt. Regenbrecht hat Ausdauer bewiesen, und die empfiehlt er auch den Besuchern seiner Schreibwerkstatt. Hoffen auf schnellen Ruhm - das ist eitel und umsonst. Der Autor aus eigener Erfahrung in der auf seiner Website veröffentlichten "Karriereplanung für Schriftsteller und Autorinnen": "Um sich vor allzu derben Enttäuschungen zu bewahren, sollte man von Anfang an in Jahrzehnten planen. Das erste Jahrzehnt als Findungsphase, an deren Ende der Entschluss steht: Ich will Schriftsteller werden. Das zweite Jahrzehnt kann man als Gesellenjahre ansehen, mit der Feststellung am Ende: Ich bin Schriftsteller. Die Etablierungsphase kommt im dritten Jahrzehnt mit der zunehmenden Erkenntnis: Ich werde als Schriftsteller anerkannt. Und im vierten Jahrzehnt kann, wenn man es erreicht, die Ernte der vorausgegangenen Jahrzehnte eingebracht werden." Nie wollte der Autor, selbst freier Dozent für Englisch, jemandem raten, sich "aufs Schreiben pur" zu verlegen. Schreiben, postuliert KDR, braucht Lebenserfahrung und Lebensgrundlage: "Zu Hause rumsitzen - nein!" Im "Book on Demand" (BoD) - gedruckt auf Bestellung - sieht Regenbrecht für sich wie für Newcomer in der literarischen Szene eine große Chance. Auflagen nach Maß zu vernünftigem Preis minimieren das Risiko für den Autor, der den Satz selbst mit einer Standard-Textverarbeitung am PC erstellt. Vergriffene Werke gibt es auch nicht mehr. Regenbrecht hat seinen Krimi "Continuity" als BoD herausgebracht. Und die Leseproben dazu gibt es auf der Kloy-Website.

Wer schreibt, schreibt weiter. Wie Regenbrecht, der zu seinen kreativsten Stunden den Vormittag zählt. Dann sitzt er vor dem PC und textet. Bleistift und Schreibmaschine haben schon lange ausgedient. Im nächsten Jahr soll eine Sammlung knackiger Geschichten vom Anfang des dritten Jahrtausends erscheinen. Parallel dazu recherchiert KDR zu einem historischen Roman im Rheinland des 19. Jahrhunderts.

Wer schreibt, der bleibt. Seine Werke avancieren zum Gegenstand akademischer Neugierde: Die Universität von Kalifornien (Berkeley) hat im Januar "Tabu Litu: ein documentum fragmentum in neun Büchern" angeschafft. Wenn das kein Erfolg ist!

Ernst-Peter Strauch (Rhein-Zeitung, Koblenz 18./19.6.2003). Zurück zu den headlines.