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Auszug aus dem Kapitel
Walters Karriere als Literatur-Funktionär
Teil 2, 1989 – 1996

(aus dem Roman "Im Goldpfad 10")

Im Februar 1990 waren Walter und zwei seiner Erzähltexte zum ersten Male Gegenstand einer einstündigen Sendung „Literatur auf dem Prüfstand“. Da er selbst kein Auto besaß, war er häufig mit dem Zug unterwegs und meistens nach Mainz. War er als Student erst nach Süden, Tübingen, dann nach Norden gereist, nach Bonn, ging es nun immer nach Süden durch das wilde, romantische Rheintal mit der Loreley. Er sah den Rhein mit Hochwasser und dramatischem Niedrigwasser, er sah den Loreleyfelsen im Frühling und im Winter, und Walter schätzte die Fahrten, weil sie ihm die Möglichkeit gaben, entspannt wegzufahren und gelassen zurückzukehren. War er zum SWF unterwegs, war er meistens allein, ging es zu Vorstandssitzungen, gab es fast immer eine Mitfahrgelegenheit.

Walter gefiel das Reisen, unterwegs zu sein, kam er abends nach Arzberg zurück, ging er regelmäßig in eine Kneipe, um eine Art Zwischenstopp vor der Rückkehr in das Haus im Goldpfad einzulegen.  Er hätte sich gut vorstellen können, so zu leben, on the road, auftreten, Empfänge, small talk, Hotel. Als Funktionär hatte er viel mit Politikern zu tun bis hoch zu Ministern, aber vorwiegend mit den Staatssekretären darunter. Am fünften Mai 1990 fanden in Mainz die Wahlen zum Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz e.V. statt. Walter Wisman, der seit 1986 in VS und Förderkreis als Schriftführer fungiert hatte, wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er übernahm die Aufgabe mit Elan aber keineswegs blauäugig, immerhin hatte er in den vergangenen Jahren eine Menge gelernt über die öffentliche Literaturförderung, und da er kein Blatt vor den Mund zu nehmen gedachte, rechnete er nicht damit, dass ihm seine Funktionärstätigkeit als Schriftsteller nutzte. Im Gegenteil, nach Vorstandssitzungen kehrte er regelmäßig in dem Bewusstsein nach Hause, dass alle Mühen vergeblich waren, was ihn so deprimierte, dass er nach Sitzungen manchmal tagelang nichts schreiben konnte.  Bis er sich so im Griff hatte, dass er zuhause erst einmal alle Termine und Aufgaben, Rundschreiben, Protokolle, Anträge beiseite schob und, fast aus Trotz, an seinen Texten arbeitete.

Als Vorsitzender landete er automatisch auf einer ganzen Reihe von Adresslisten und die Einladungen flatterten nur so ins Haus, vom Mainzer Bischof bis zum Geschäftsführer des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz. Sponsorentreffen, Ausstellungseröffnungen mit Spargel, Rumpsteak und Riesling, bei denen sich die Künstler mal richtig satt essen konnten.

Es sprach als Festredner bei Jubiläen und Symposien. Er diskutierte auf Podien und im Rundfunk, er gab Interviews und es gab Homestorys.
Im Oktober war er über ein Wochenende in Stuttgart zu einem weiteren Treffen der Förderkreise. Im Januar 1991 war er zum ersten  Male im Fernsehen des SWF, am vierundzwanzigsten Mai war er in Lübeck beim ersten gesamtdeutschen Kongress des VS dabei, nicht nur als Funktionär sondern auch mit einer Lesung auf dem Marktplatz. Obwohl er nun viel unterwegs war und ständig unter Menschen, zog er sich oft genug zurück, lief irgendwo am Wasser entlang, fand einen Park oder ein Waldstück.

Während der Kongress drinnen tanzte, suchte Walter oft das Weite, Offene draußen im Freien. Der Winter in diesem Jahr war wieder einmal ein sehr kalter, besonders im Dezember in Weimar und Erfurt. Das Ministerium hatte einen Austausch zwischen rheinland-pfälzischen und thüringischen Autoren finanziert, und so reiste Walter dorthin, wo es in Bahnhofsnähe schon Kneipen von Wessis gab, aber auch noch Hotels, bei denen Toilette und Dusche auf dem Flur waren und deren Heizung nach einem für Walter unerfindlichen System ansprang und sich ausschaltete. War sie an, wurde es richtig heiß, blieb sie aus, war es schweinekalt. Und das war es die meiste Zeit.

Nicht nur in der Stadt sondern auch im Umland hatte man den beißenden Geruch von Braunkohle in der Nase. Walters Tauschpartnerin war Autorin und Pastorin, die sich um ihn kümmerte, die Lesungen in Weimar und Erfurt arrangiert hatte, sowie eine Schullesung. Die Thüringer titelte zu Walters Lesung in einem Café „Sex and crime im Lesecafé“. Die Lesung in Erfurt hatte keine Zuhörer, die Menschen interessierten sich so kurz nach der Wende für anderes und vielleicht war die Vorbereitung der Pastorin auch nicht die beste. Jedenfalls las Walter vor den vier Veranstaltern ein, zwei surrealistisch angehauchte Gedichte und kassierte seine vierhundert D-Mark. Und die für jede der drei Veranstaltungen. Die Lesungen der Pastorin in Koblenz, organisiert von Walter,  waren nicht gerade überlaufen, aber doch erheblich besser besucht.

© 2012, Klaus-Dieter Regenbrecht

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