kloyde bringt froyde kloy.de luhmen

Home
Jetzt bestellen bei
Amazon.de * ebook.de * Buchhandel.de * booklooker
Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 2016

Home  |  about kloyAktuell  |  Bestellen  | BESTSELLER Bilderladen 1 Bilderladen 2  |  Bilderladen 3  | Buch des Monats  |  8 Storys: Das Camp  |  Die Reisen des Johannes  |  Creative Writing  | Fotoalbum  |   Headlines  |  Impressum  |  Kommentare  |  Der Krimi: Continuity Lesetouren  |  Links  |  Maxikitsch  |  minimal art  |  Navigation  |  Pressemitteilungen  |  200Jahre Rheinromantik  |  roller coaster  |  Service  |  SuchenTabu Litu  |  Tabu Litu - english version  |  Termine/Veranstaltungen mit kloy  |  Verlagsprogramm

  |  Zettelkasten

Die Ordner:

 

Aktuell

Kreatives Schreiben

Kommentare

Lesetouren

Maxikit

Service

Tabu Litu

Zettelkasten

email contact
info at kloy.de

 

Das Camp - Acht neue Erzählungen:
Belt Guard
(Auszug: Der Anfang)

Ein unsichtbarer Feind ist's, den ich fürchte,
 Der in der Menschen Brust mir widersteht,
Durch feige Furcht allein mir fürchterlich -
Nicht, was lebendig kraftvoll sich verkündigt,
Ist das gefährlich Furchtbare.
Das ganz
Gemeine ist's, das ewig Gestrige,
Was immer war, und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten!
Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht,
Und die Gewohnheit nennt er seine Amme.
(Friedrich Schiller, Wallensteins Tod)

Matt Raff zog sich an, es war früher Morgen, die Sonne stieg gerade am wolkenlosen Himmel auf, das erkannte er an dem unscharfen und aus seinem Blickfeld reichenden Schatten der Eiche, die er vom Badezimmerfenster aus sehen konnte. Alle Gärten der Häuser im Gürtel hatten viel Grün um sich herum, Bäume, Büsche, Rasenflächen, Blumenbeete, kleine Nutzgärten und Feuchtbiotope mit idyllischen Teichen.

Er liebte seine Morgenroutine. Morgens alleine aufzustehen, seiner Frau Jane einen Kuss in den oft mit leichtem Schweiß benetzten Nacken zu hauchen, ins Bad zu gehen, dort mit der immer gleichen Temperatur zu duschen, sich zu rasieren, die Zähne zu desinfizieren und zu imprägnieren. Auf seinem Weg zur Küche warf er einen Blick auf sein CoPa, das Communication-Panel, seines Terminals, um zu sehen, ob es spezielle Direktiven für den Tag gab. Er liebte diese Routine und er liebte das Leben im Gürtel. Auch sein CoPa schien Routine zu lieben, es meldete keine besonderen Vorkommnisse; sein Dienst begann in einer Stunde.

Und wenn es etwas gab, das ihn glücklich machte, wirklich glücklich machte, waren es die Dienststunden in seiner Gondel, der Blick aus seiner Gondel. Crane, seine Gondel, war über dem Flusstal, das genau an dieser Stelle von steil aufragenden Felsen zu einem schmalen und reißenden Strom verwandelt wurde. Sowohl nach Norden wie nach Süden hatte der Fluss ein breites Talbett, in dem er meist träge und glatt in der Sonne lag. Matt hatte einen wunderbaren Blick auf den Fluss und die Felsen und die sich rund herum ausbreitende Mittelgebirgslandschaft, über die sich, soweit er das auf seinen Monitoren überblickte, der Gürtel ausbreitete.

Um den eigentlichen Gürtel spannte sich ein zweiter Gürtel, der Landwirtschaftsgürtel, und dahinter ein schmalerer Industriegürtel (Industrie und Produktion, IP) und dahinter, wo genügend Platz vorhanden war, wo sich also die Gürtel nicht schon berührten, gab es Urwaldinseln. Lange, lange, hieß es, hatte es gedauert, eine so perfekte Gestaltung zu schaffen, die ein Leben im Einklang mit der Natur ermöglichte. Und es war schön hier draußen im Gürtel.

Hier, wo er mit seiner Frau lebte, waren alle Gürtel in ihrer optimalen Ausprägung vorhanden; er wusste jedoch von weiten Gegenden, in denen es nur ein riesiges Inneres gab, das nur einen schmalen Gürtelstreifen zuließ, der zwischen zwei Inneren lag. Matt wusste davon nur wenig. Reisen außerhalb des eigenen Gürtels waren so gut wie nicht möglich. Er selbst hatte seinen Gürtel nie verlassen. Wozu auch? Sein Gürtel gehörte zu einem der schönsten und romantischsten im ganzen Land. Das sagte jeder, der hier lebte.

Matt ging in die Küche und kochte sich einen Kaffee. Allein das war früher ein Problem gewesen, weil es am Anfang des Gürtels logistische Probleme gegeben hatte, viele Verkehrsverbindungen waren unterbrochen, und schließlich gab es Länder auf der Welt, die nicht in Gürtel eingeteilt waren, aber seit es international nur noch streng kontrollierten Verkehr gab, durfte niemand mehr auf eigene Faust reisen. Aber früher soll ja auch das Wetter anders gewesen sein. All das jedoch war nie ein Problem für ihn, gab es keinen frischen Kaffee, brühte er sich seine Tasse eben mit Instantkaffee auf, gab es keinen Instantkaffee, nahm er Tee. Nein, Matt war glücklich und zufrieden mit seinem Leben hier im Gürtel und er war stolz darauf, Officer der Belt Guard zu sein.

Bevor er das Haus verließ, ging er kurz noch einmal ins Schlafzimmer hinauf, um sich von Jane zu verabschieden. Ihre Schicht fing erst in zwei Stunden an, so dass sie zwei Stunden, nachdem er von seiner Schicht zurück gekommen war, wieder ins Haus kam. So verbrachten sie jeden Tag achtzehn Stunden gemeinsam im Haus, im Garten, im Schlafzimmer oder in der Nachbarschaft. Sie küssten sich und wünschten sich einen guten Tag.

Matt trat vor die Haustür und das Shuttle mit den anderen Offizieren der Belt Guard stoppte; Matt stieg ein und setzte sich auf seinen Platz. In zwei Stunden würde auch Jane in ihr Shuttle steigen und in den IP gebracht werden, wo sie in einer Fabrik arbeitete. Nach Matt stiegen noch drei weitere Offiziere ein, dann erreichten sie auch schon die erste Gondel und das Shuttle fing an, sich wieder zu leeren.

Matt Raff stieg zur Crane auf und war in einer anderen Welt. Er hing hier oben zwischen dem Gürtel und dem Kern, über dem Fluss in einer unglaublich blauen Luft. Der Kern nach Süden zu, das Innere, das Konzentrum, es gab so viele Namen für das, was niemand kannte, für das Gebiet, das niemand betreten durfte. Es gab so viele Namen für das, was eigentlich nicht war, keine Gestalt hatte, nichts bedeutete.

Und hier eine akustische Leseprobe:

 

© 2004, Klaus-Dieter Regenbrecht 

 

30 jahre tabu litu

Impressum von kloy.de Aktuelles von kloy.de und KD Regenbrecht Buchempfehlung von kloy.de Tabu Litu ein docuemntum fragmentum in 9 buechern