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A Portrait of the Artist as an (almost?) Old Man

Diesen Aufsatz und 18 weitere, plus 7 Cartoons finden Sie hier:
Den Widerspruch zwischen Gelesenem und
Gelebtem mit Geschriebenem lösen

Da ich ja nun schon Fünfzig bin, seien mir ein paar persönliche Anmerkungen erlaubt, die als Ergänzung zum Aufsatz "Karriereplanung für Schriftsteller" zu begreifen sind.

Portrait James JoyceMit anderen Worten: Wie sieht es mit der eigenen Karriere aus? Nach meiner Dekadeneinteilung bin ich im dritten Jahrzehnt, in der Phase "Ich werde als Schriftsteller anerkannt" (in welchem Rahmen auch immer) und noch vor der Phase, in der man anfängt, richtig Kohle zu machen. In den zurückliegenden zwei und einer halben Dekade habe ich gelernt, ohne öffentliche Anerkennung und damit ohne große kommerzielle Mittel auszukommen. Mir ist es auch nicht mehr so wichtig damit, wenn es mir das noch wäre, müsste ich verzweifeln, etwas Grundlegendes ändern, mir etwas vormachen oder mehr Jahre vor mir haben, als ich haben will. All das habe ich nicht vor.

Wichtig ist, genug zu fressen zu haben und ein (teilweise sogar eigenes) Dach über dem Kopf (nicht zu vergessen, die Menschen um mich herum) und das schreiben zu können, was ich kann und will. Und ich weiß, dass das über weite Strecken besser ist als vieles, was verlegt und gelesen, dekoriert und bejubelt wird. Ich weiß ebenso, dass es keinen Anspruch geben kann, angemessen zur Kenntnis genommen zu werden. Nicht verschweigen will ich, dass die Leserschaft meiner Texte im Internet um ein Vielfaches größer ist als die der gedruckten. Zudem mit völlig anderen Präferenzen: Der Gedichtband sum mor tym ist so gut wie nicht zu verkaufen, die entsprechenden Seiten werden aber sehr stark frequentiert. Das Gute wird sich am Ende immer durchsetzen, ist ein saudummer nämlich paradoxer Spruch. Wollte man erfolgreich das Gegenteil beweisen, hätte man faktisch seine Richtigkeit bewiesen: Alle Schriftsteller lügen!

Ich will nichts mit all den Arschlöchern zu tun haben, die in Jurys, Lektoraten, Ministerien, Kulturdezernaten und Redaktionen sitzen. Und sie sind Arschlöcher, auch wenn nette darunter sind und jede Menge kompetente. Das Problem ist so einfach wie unlösbar; sie haben zuviel Macht. Keiner und keine von ihnen hat diese Macht, wenn auch nur in einem Segment des Literaturbetriebes, verdient, sich erarbeitet. Und Macht muss man sich in vielen Jahren erarbeiten. Sonst ist sie ein Popanz. (Von Verantwortung der Literatur gegenüber ... mein Gott, wer würde so etwas noch in den Mund nehmen?!)

Eigentlich könnte ich gut und zufrieden leben, wenn es da nicht überall noch Behörden und sonstige städtische und staatliche und kammerliche Einrichtungen gäbe, die einem das Leben wirklich schwer machen. Weil ich Freiberufler (Schriftsteller), Selbstständiger (Dozent) und Gewerbetreibender (Selbstverlag) bin, geht ein zu großer Anteil meiner Zeit und Arbeitskraft und Geld verloren an: Finanzamt, Krankenkasse, Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Industrie- und Handelskammer und und und. Das Schöne könnte sein, jedoch Komplizierende ist beispielsweise, dass ich als Dozent (Englisch) auf meine sprachlichen, literarischen Kenntnisse zurückgreifen kann wie auf das Wissen, das ich mir in Bezug auf das Internet angeeignet habe.

Das Problem liegt darin, dass man in jeder Sparte behandelt wird, als sei diese Sparte die einzige Sparte. Es ist zum Kotzen. Und alle wollen sie nur eins: GELD! Und zwar in einem Umfang, der auf dem Ausgangsirrtum basiert, der Mensch sei entweder Beamter oder Verleger oder oder. Die Flexibilität, die angeblich in einer modernen Gesellschaft Zukunft haben soll, wird durch die nach wie herrschenden Gesetze verhindert. Es ist abzusehen, dass die Firma kloy mit den og Geschäftsfeldern irgend wann die Segel streicht und sich auf einen Geschäftsbereich beschränken muss. Aber das Teuflische ist, dass zur Zeit keiner meiner drei Geschäftsbereiche allein überlebebensfähig ist. Wen interessiert es, dass ich mit dieser Dreier-Konstellation glücklich bin/sein könnte, dass ich mich nicht beschränken will? Das Konsortium kloy wird per Gesetz abgeschafft werden.

Und genau das passiert im Moment (Februar 2001) durch ein Gesetz von 1920 über die Sozialversicherungspflicht von selbständigen Dozenten.

Um auch das in aller Deutlichkeit klar zu machen: Ich beschwere mich nicht, dass selbst bei einem so geringen Umsatz/Einkommen wie bei mir weniger als die Hälfte übrig bleibt. Was mich nicht glücklich macht, ist die Tatsache, dass Existenzen wie meine systematisch zerstört werden.

dass Existenzen systematisch zerstört werden

Ich für meinen Teil habe die Konsequenz gezogen, mache unbeirrt weiter as long as I live und habe testamentarisch festgelegt, dass nach meinem Tode nichts aber auch gar nichts von mir allein Geschaffenes urheberrechtlich genutzt werden darf. Nach derzeitiger Gesetzeslage bis 70 Jahre nach meinem Tod. Kein Druck, kein Film, kein Ton, kein Internet. Das mag niemanden interessieren, aber mir tut es gut, dass zu wissen:

And suddenly I realise that if I stepped out of my body
I would break into blossom.

Aus: A Blessing von James Wright

© by kloy 2001

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