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Zynischer, kalter, grauenhafter Mist.
Man kann
also Personen erkennen, bestimmte Handlungen, Ort- und Zeitangaben sind
auf den ersten Blick wie in einem konventionellen Roman identifizierbar.
Auf den zweiten Blick jedoch, das heißt im Verlauf der Lektüre, merkt
die Leserin oder der Rezensent, dass die Personen unglaubwürdig sind,
nicht aus Fleisch und Blut, nur Sprachrohr für die verqueren Ansichten
des Autors, die Handlung abstrus, mit unannehmbar vielen unvollendeten
Strängen. Zynischer, kalter, grauenhafter Mist also.
Genau so
kann man es in den Kritiken zu postmodernen Romanautoren lesen; die oben
genannten beziehen sich auf Don DeLillo.
| "Die
Mutter aller Menschen ist die Mutter aller Zungen, das, meine
sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen," ... mehr |
Das ist
ungefähr so, als würde man den Figuren in Becketts "Warten auf
Godot" vorhalten, so redeten doch keine Penner. Becketts
"Godot" jedoch ist zumindest für uns Heutige leicht als
absurdes Theater zu erkennen. Der postmoderne Roman zeigt sich in der
Fassade des konventionellen Romans, aber die Fassade ist brüchig. Diese
Brüchigkeit, die Brüchigkeit des postmodernen Menschen dem
postmodernen Roman als Schwäche anzukreiden, ist das übliche Verantwortlichmachen
des Boten für die Botschaft.
| "Was nun
kam, war fordernd, hart, schrie die Sprache des Körpers, die
Sprache des Verlangens. Seine Zunge war ein Instrument der
Erpressung" ... mehr |
Und was
sagt zum Beispiel Wikipedia? Bevor
man aus dieser Quelle zitiert, sollte daran erinnert werden, dass die
Beiträge sich sehr schnell inhaltlich ändern können: sie sind
jederzeit editierbar. Dass zum anderen sehr unterschiedliche Beiträge
zu ein und demselben Thema in unterschiedlichen Sprachen vorhanden sind
(in diesem Falle, deutsch oder englisch zu postmoderner Roman): Der
deutsche Eintrag listet knapp 30 internationale Autorennamen auf (März
08), der
englischsprachige Beitrag listet nach Anfangsbuchstaben und hat bei C
bereits mehr als 30. Ich kann deshalb nur empfehlen, sich den jeweils
aktuellen Stand anzuschauen. Viele
meiner Lieblingsautoren sind der Postmoderne zuzurechnen und sind
gleichzeitig so unterschiedlich, wie man es kaum in einer Stilrichtung
vermuten möchte. Pynchons
Postmodernität dokumentiert sich vor allem in seinem enzyklopädisch
hybrid parodistischen Roman "Gravity's Rainbow" (Die Enden der
Parabel). Nimmt man dagegen Paul
Auster, der den Trivialroman bis auf die Spitze trivialisiert, indem
er beispielsweise Personen mit Farbnamen versieht, scheint gerade darin
eine unglaublich transzendente Komplexität auf: "First of all
there is Blue. Later there is White, and then there is Black, and before
the beginning there is Brown. Brown broke him in, Brown taught him the
ropes, and when Brown grew old, Blue took over. That is how it begins.
The place is New York, the time is the present, and neither one will
ever change." (Paul Auster: Ghosts, The New York Trilogy, London
1999). So
fängt es an. Der Ort ist New York, die Zeit die Gegenwart und beides
wird sich nie ändern. Andererseits
lässt sich wahrscheinlich jeder Postmoderne als Neo-Allesmögliche
qualifizieren. Das liegt an der Tatsache, dass sich die Postmoderne
gerne der Intertextualität bedient, häufig parodistische Elemente hat,
auch dekonstruiert, sich also auf vorausgegangene Literaturepochen
bezieht und sich bei den unterschiedlichsten Genres, Moden und Autoren
bedient. Auster, wenn man ihn mal genau liest, könnte meiner
Einschätzung nach als Neo-Romantiker eingestuft werden, wenn auch nicht
in Bezug auf alle seine Romane. The blue
notebook als die blaue Blume der Neuzeit. "Gudrun
schaltete einen Gang zurück, rückte näher, näherte sich mir, mir
eingehakt und unter, unter Null war es ohnehin, hin und her ..."
mehr
»Die
Epochenbezeichnung postmodern ist wie jede andere
problematisch, weil die Verwendung von Begriffen wie Romantik und
romantisch, Klassik und klassisch, oder Moderne und modern eben
nicht nur Epochen bezogen (also an Jahreszahlen festzumachen)
verwendet werden und wurden. Das gilt natürlich auch für andere.
Platt gesagt: Modern war alles mal!
Microsoft
Encarta (2001) vermerkt zu moderner Literatur: „unscharfe
Bezeichnung für diverse Abgrenzungsbestrebungen junger Literaten
gegenüber der älteren Generation (so in Aufklärung, Romantik und
Jungem Deutschland), zumeist jedoch für die umfassenden ästhetischen
Neuerungsbestrebungen der Literatur, aber auch der Musik, der
Architektur und der bildenden Kunst, zwischen 1870 und 1920. Der
Begriff „die Moderne” wurde 1886 von Ernst Wolff für die
Literatur des Naturalismus geprägt.“ Friedrich
Schlegel in dem 1800 erschienenen "Gespräch über Poesie":
„Da suche und finde ich das Romantische, bei den ältern Modernen,
bei Shakespeare, Cervantes, in der italienischen Poesie, in jenem
Zeitalter der Ritter, der Liebe und der Märchen, aus welchem die
Sache und das Wort selbst herstammt.“ Sind die Romantiker also die
erklärtermaßen ersten Postmodernen?«
Arno
"Schmidt versteht" laut Thomas Kröber (Arno Schmidts
Romantik-Rezeption, Heidelberg 1998, S. 108) "die Romantiker nach 1945
als moderne Formkünstler"; der Schmidt, dem auch der Spruch
"Nur die Phantasielosen flüchten in die Realität; und
zerschellen dann, wie billich, dran" zugeschrieben wird. Schmidt
war Anhänger eines Phantastischen Realismus, bei dem die
Wirklichkeit, der Alltag, knallhart mit dem Phantastischen, dem
Wunderbaren konfrontiert wird und sich mischt. Intertextualität
und Selbstreferentialität seien hier als nur zwei der
üblichen Kriterien
genannt; andere lassen sich leicht recherchieren (vgl. auch N. Luhmann, Zettelkasten). Die
Postmodernen sind Romantiker und die Romantiker waren moderne
Realisten: Die Postmoderne ist die moderne Prämoderne. "Ein Mythos wird vermessen – Topographie der Rheinlande im
Licht der Romantik: Tranchot,
von Müffling, Goethe, Görres, Schlegel et al." Ein
panoptisch panoramischer Essay von KD Regenbrecht (kann
derzeit nicht weiter bearbeitet werden, leider).
Google
listet am 1. März 2009 für postmoderner Roman diesen Aufsatz
zum postmodernen Roman an erster Stelle von 785.000! Um auch hier
Intertextualität und Sebstreferentialität ins Spiel zu bringen.
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Rückschau
2011: Bundesgartenschau in Koblenz
Im Rahmen der Rheinland-Pfälzischen
Literaturtage moderierte KD Regenbrecht eine
Matinee: Rheinromantik - postmodern seit
200 Jahren? (15. Mai 2011) |
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